Urlaub in Lettland, oder: Wodka, dawaij!

Wodka und Osteuropa. Das ist wie Sonne, Mond und Sterne. Eine unschlagbare Kombi! Da meine Verwandtschaft in Lettland lebt, habe ich sie die letzten 7 Tage besucht. Gemeinsam mit zwei Freunden wagte ich das Abenteuer ins Baltikum.

Ein authentischer Bericht über die osteuropäische Wodka-Kultur. Alles über die lettische Lebensart und den alten Sowjet-Charme.

 

Lettland – dem Vodka auf der Spur

14. bis 21. März 2017. Das waren unsere Reisedaten. Dank Ryanair haben uns die Flüge pro Nase schlappe 65 Euro gekostet. Wenn ich bedenke, dass ein Baden-Württemberg-Ticket aktuell 23 Euro kostet… Und wir haben diese stolze Strecke zurückgelegt:

Das sind stolze 1.900 Kilometer Luftlinie! Wir haben alles aus Deutschland organisiert. Hotels und Mietwagen sind schnell übers Internet gebucht. Das war unser Reiseplan:

  • 14.-16. März: Riga
  • 16.-18. März: Ludza
  • 18.-21. März: Riga

Meine Großeltern und weitere Verwandte wohnen in Ludza. Das ist eine kleine Ortschaft, die von einigen Seen umgeben ist. In der Mitte thront eine alte Burgruine des Deutschen Ordens. Die Stadt befindet sich 30 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Sowjet-Charme wir kommen! 🙂

 

Riga, hier sind wir

Doch zuerst stand Riga auf unserer To-do-Liste. Wir haben uns ein kleines Cottage mit Sauna und Kamin ausgesucht, um den nordischen Lebensstil zu genießen. Ein bisschen Wissen für Angeber – die Sauna wird hier als Banja bezeichnet.

Ferienhaus LettlandÄhnlich wie in Skandinavien wird die Sauna-Kultur in Lettland zelebriert. Mit einem Unterschied: Es geht deutlich härter als in Deutschland zu! Man setzt sich nicht nur hinein. Nein, du wirst mit Birkenzweigen von deinen Freunden ausgepeitscht. Danach fühlst du dich wie neu geboren.

Links siehst du unser famoses Ferienhaus für die erste Etappe. Es ist im Besitz eines netten Briten, der nach Lettland ausgewandert ist. Eine gute Entscheidung! 🙂

Wie es sich gehört, haben wir unsere ersten beiden Tage mit den heimischen Delikatessen verbracht. Damit meine ich Berge voller Gurken, Kaviar und Schwarzbrot. Fast hätte ich es vergessen – ein bisschen Wodka haben wir uns auch gegönnt. Vor dem Kamin spielten wir Brettspiele und tauschten lustige Geschichten aus. Wie es eben echte Osteuropäer machen: Vodka trinkt man nicht alleine, sondern in Gesellschaft. Es geht darum, eine schöne Zeit zu verbringen.

Wodka und Gurken

So sah unser „Kampfvorrat“ aus: Vorne der gute Zarenwodka und hinten Riga Balzams. Das ist ein himmlisch leckerer Likör mit 30 % Alkohol. Bisher hat sich jeder, dem ich einen Schluck gegeben habe, in diese Spirituose verliebt. Sie schmeckt nach schwarzer Johannisbeere und verfügt über einen einzigartigen Geschmack.

lettischer PfannkuchenGenug geschwärmt, back to holiday. In Osteuropa sind Pfannkuchen блин [blin] sehr beliebt. Es gibt sie in allen Kreationen und sie werden zum Frühstück gegessen. Natürlich habe ich mir einen mit Chili con Carne in einem süßen Restaurant gegönnt. Es war ein belgisch angehauchtes Establishment namens Street Fries Kitchen. Aufgrund der kleinen Bilder erschienen uns die Preise relativ teuer. Doch dann kam ein Berg von блин! Eigentlich sollte das ein Frühstück sein, aber der Pfannkuchen reichte mir als Mittagessen.

Traditionelle lettische Speisen findest du im Folkklubs Ala. Ich empfehle das Honigbier in einem 3 Liter Krug. Obwohl ich kein Bier mag, fand ich diese Variante sehr lecker. Die Bierfanatiker in meiner Gruppe waren auch davon begeistert.

Die zwei Tage gingen wie im Flug vorbei. Nun stand der exotische Teil unserer Reise bevor: der Ausflug nach Ludza!

Vor der Abfahrt gönnten wir uns einen kleinen Blick auf die Ostsee. Neben Riga gibt es den Kurort Jurmala, der über feinen Sandstrand verfügt. Ein echter Insider-Tipp für alle Strandliebhaber und Ökotouristen!

 

30 Kilometer nach Russland

Nach einer 3,5 stündigen Fahrt kamen wir in Ludza an. Ich möchte jeden warnen, der selber fahren möchte. In Lettland hält sich jeder für einen Formel 1 Fahrer. Es werden sogar Polizeiwagen überholt – und das mit sichtbarem Gegenverkehr. Nichts für schwache Nerven.

Lettland Mittagessen mit WodkaVon Ludza sind es nur 30 Kilometer bis Russland. Leider braucht man für den Grenzübergang ein Visum. Als Geschenk für die Großeltern kauften wir eine Flasche noblen Beluga.

Wie du auf dem Bild siehst, haben wir richtig recherchiert. Es gab eingelegte Gurken und frisches Schwarzbrot. Da sich Ludza neben der Grenze befindet, ist es russisch angehaucht. Es stehen noch immer gigantische Sowjet-Bauten in der Landschaft herum. Einfach so. Niemand möchte (oder kann) sie abreißen, um Geld zu sparen. In den letzten Jahren hat sich dennoch einiges verändert. Die Relikte verschwinden allmählich, was die Städte schöner macht. Meine Oma wohnt in einem russisch gestalteten Holzhaus, wie du auf dem Bild siehst.

Vodka in Lettland Urlaub

Direkt bei der Ankunft gab es Shots zur Begrüßung. Schau bei diesem Bild ganz genau auf die Uhrzeit hin. Logo, es ist 10 Uhr abends, also 22.05 Uhr circa. Falsch gedacht, das war am zweiten Tag (17. März) morgens. Und die Flasche Wodka war schon fast leer. Bei der Platzwahl bin ich strategisch vorgegangen: Ich saß bewusst in der Mitte. Der rechte Kumpel (von mir aus) wurde von Opa mit Wodka zugeschüttet, während der andere von Oma extra Essensrationen erhielt. Ich war aus dem Schneider! 😉

Wodka FinlandiaOma und Opa wissen, was gut ist. In Lettland wird gerne mein Wodka Testsieger „Finlandia“ getrunken. Auf dem Foto habe ich mir einen Shot in einem silbernen Becher gegönnt.

Es gab sehr, sehr, sehr … viel Wodka während den 3 Tagen. Wir spürten ihn kaum, da er mit reichlich Essen verdünnt wurde. Jetzt ist mir klar, warum die Osteuropäer so viele Gurken essen! Darüber hinaus ist Oma die beste Köchin der Welt – zumindest was russische Speisen betrifft. Eine Pizza wurde wohl noch nie in ihrem Haushalt serviert.

Am vorletzten Tag waren wir im Moor unterwegs. Wir sind bis knapp an die russische Grenze gewandert. Es wären noch 3 Kilometer bis ins ehemalige Zarenreich gewesen. Wir haben schon Putins Atem in unserem Nacken gespürt.

Die Menschen sind sehr herzlich und geben für ihre Gäste alles. Das konnten wir live bei meiner Verwandtschaft erleben. Meine Freunde wurden liebevoll empfangen, wobei der gute Wodka seinen Teil beigetragen hat. 🙂

Anstoßen auf Lettisch: Alle heben die Gläser, es folgt tiefer Augenkontakt und man sagt „dawaij“. Danach wird nach einem imaginären Luft-Anstoßer getrunken. Das Glas setzt man erst ab, wenn es ganz leer ist.

 

Eastern Europe Style: Party in Riga

Drei anstrengende Wodka-Tage lagen hinter uns. Nun sollte es wieder nach Riga gehen. Wir hatten uns den Samstag als Partynacht ausgesucht. Gut gekleidet marschierten wir zum Coyote. Das ist eine der größten Discos in Riga.

Vor der Tür traf uns der Blitz: „You have to pay 105 Euro for the entrance.“ Das war uns zu viel und so zogen wir in die Altstadt weiter. In Gesprächen mit Einheimischen fanden wir heraus, dass das vielen Touristen passiert. Wer nicht perfekt Lettisch spricht, muss meist mehr zahlen. Das ist die Geschäftspolitik der Disco-Betreiber, um sich zusätzlich Einnahmen von „reichen“ Touristen zu sichern.

Riga Balzams CocktailIn der Altstadt gibt es viele tolle Locations. Vor allem das Rock Cafe und Omas Briljants haben uns gefallen. Der Altersschnitt liegt so bei 18 bis 30 Jahren in beiden Orten. Es ist eine super Stimmung und du triffst auf viele Menschen. Wir wurden mehrmals von Mädels angesprochen!

Die letzten beiden Tage machten wir noch ein wenig Touri-Zeugs. Links siehst du mich, wie ich einen Cocktail mit Riga Balzams schlürfe. Die Bar nennt sich Riga Black Magic und ist definitiv einen Besuch wert. Du fühlst dich wie in einer anderen Welt, wenn du den Raum betrittst. Sogar die Angestellten sind in Outfits des 18. Jahrhunderts gekleidet.

In der Altstadt zahlst du einen gewissen Touri-Bonus. Die Preise sind ungefähr wie in Deutschland (-10/-20 Prozent). Doch paar Meter weiter wird es spürbar günstiger. In der Bar Ezītis miglā gibt es Cocktails bereits ab 3,30 Euro und Hauptspeisen für 4,00 Euro.

Riga Skyline BarAm vorletzten Abend gönnten wir uns einen Blick über Riga. Im 26. Stockwerk des Radisson Blu Hotels begrüßt dich die Skyline Bar. Manchmal wird ein Eintritt verlangt, wir hatten Glück. Die Getränkepreise sind relativ hoch, dafür hast den besten Ausblick über die City.

Unsere Reise neigte sich dem Ende zu. Wir hatten so viel Wodka getrunken, dass nun ein Spa-Tag auf dem Programm stand. Am 21. März ging unser Flug bereits um 10.30 Uhr back to Germany. Daher unternahmen wir am letzten Tag nichts mehr außer einem Wellnessprogramm.

Und so endete unsere Lettland-Reise mit einem letzten Blick auf die Ostsee. Auf ein baldiges Wiedersehen! Das nächste Mal nur nicht mit ganz so viel Wodka. 😉

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