Die Herstellung von Wodka

Saure Gurken, Kaviar und dunkles Brot – jetzt fehlt nur noch die Hauptzutat: Genau, es ist der Wodka! In Russland wird die Spirituose mit diesen Speisen zelebriert. Manchmal gibt es selbstgebrannten Wodka, das ist der sogenannte Samagon.

Ein Onkel aus Russland hat mir das Getränk einmal serviert. Im Gegensatz zu Deutschland darf man dort als Privatperson selbst Schnaps herstellen! Der Vodka war gar nicht so schlecht, wie ich zuerst gedacht habe. Mein Onkel hat seinen Freunden den Selbstgebrannten zum Trinken gegeben. Keiner hat sich beschwert, dass es ein Samagon war! 😀 Sie dachten, es würde sich um eine kaum bekannte Sorte aus Weißrussland handeln. Meine Neugierde war geweckt und ich wollte mehr über die Herstellung von Wodka erfahren.

 

Woraus wird Vodka gemacht?

Wenn ich wildfremde Personen frage, sagen die meisten Getreide oder Kartoffeln. Und sie haben damit recht, aber nur zu Teilen. Apropos Vodka Sorten – du bist auf der Suche nach einem guten Wässerchen? Als kleine Hilfe habe ich einen Ratgeber rund um besten Wodka verfasst!

Die Wodka-Geschichte teilt sich in 3 Episoden ein:

  1. Im 14. Jahrhundert wurde der erste Vodka gebrannt. Über den Ursprung tobt ein heftiger Streit zwischen Polen und Russland, da jeder die Urheberschaft für sich beansprucht. Da es viel Roggen gab, stellte man daraus Wodka her.
  2. Rund 500 Jahre später wurde verstärkt auf Kartoffeln gesetzt. Natürlich macht das einen geschmacklichen Unterschied: Roggen-Wodkas schmecken erdig und schwer, während Sorten aus Kartoffeln einen derben aber süßlichen Touch haben. Aus Weizen entstehen eher blumige Schnäpse.
  3. Heute bestehen die meisten Wodkas aus Weizen. Vereinzelt sind auch Brände aus Kartoffeln, Melasse (Zuckersirup) oder Weintrauben anzutreffen. Einer meiner Favoriten, der Finlandia, wird aus Gerste hergestellt.

Zwei Ereignisse trugen zur internationalen Bekanntheit bei. Im Jahr 1914 verbot der Zar die Produktion und den Vertrieb von Alkohol. Dieses Verbot sollte bis 1925 anhalten: Daraufhin hatte die Staatskasse unter mangelnden Steuereinnahmen zu leiden. Das galt auch nach der Oktoberrevolution von 1917, bei der die Kommunisten die Macht übernahmen. Sie führten eine Politik der Nationalisierung. Private Firmen wurden verstaatlicht, weshalb die Hersteller ins Ausland abwanderten. So wurde in Deutschland, Kanada und sogar den USA das Wässerchen produziert. Das zweite Ereignis war der Cocktail-Boom in den 1950er Jahren. Guter Wodka eignete sich optimal zum Mischen. Besonders der Moscow Mule in der Kupfertasse machte die Spirituose populär.

 

Wie läuft die Vodka-Herstellung ab?

Zuerst wird das Rohmaterial zerkleinert und mit Wasser vermischt. Generell erinnern die Anfangsschritte ein wenig an die Bierbraukunst. Das komplette Gebräu (Maische) wird nun erhitzt, damit sich die Stärke in Zucker wandeln kann. Ein Experte würde sagen: Die Hitze aktiviert die Enzyme, welche die Stärkemoleküle aufspalten. Dieser Schritt wird als Maischen bezeichnet.

Nun folgt das Gären: Der Maische wird Gärhefe beigefügt. So wird der Zucker in Alkohol umgewandelt. Vorher war es nur ein süßes Gemisch verschiedener Zutaten. In diesem Schritt kann sehr viel schiefgehen. Aus dem Zucker wird Alkohol, das ist der Plan. Mit ein wenig Pech entsteht statt Ethanol der giftige Methylalkohol.

In Polen habe ich eine Horrorgeschichte gehört: Vor vielen Jahren gab es eine Hochzeit, bei der illegaler Samagon ausgeschüttet wurde. Leider enthielt er Methylalkohol, was das Brautpaar und viele Gäste blind machte. Ob diese Geschichte wahr ist, kann ich nicht sagen. Es ist aber Fakt, dass du von Selbstgebranntem erblinden kannst.

Damit du dir den Prozess ein wenig besser vorstellen kannst – für die Herstellung von Wodka benötigt es eine solche Anlage:

Im nächsten Schritt wird die Maische gebrannt. Dabei soll der Alkohol von diesem Gemisch getrennt werden. Ein wichtiger Punkt ist die Art der Filtration, da es viele Verfahren gibt. Drei beliebte Arten sind Aktivkohle-, Kälte- und Quarzsandfiltration. Manche Hersteller versuchen sich mit exklusiven Methoden wie der Diamantfiltration einen Namen zu machen. Je hochwertiger das Verfahren, desto weniger Fuselstoffe befinden sich im Wodka. Und die sind für den berüchtigten Kater am nächsten Tag verantwortlich!

Unsere Reise durch die Herstellung von Vodka ist fast beendet. Aktuell verfügen wir über einen reinen Alkohol, doch er ist kaum oder nicht trinkbar. Er muss noch auf Trinkstärke verdünnt werden! Dafür wird Wasser beigemischt, bis der Wodka die gewünschte Konsistenz erreicht. In Deutschland muss guter Vodka über mindestens 37,5 Prozent Alkoholgehalt verfügen. Sonst handelt es sich um einen Likör oder was auch immer, aber eben nicht um einen Wodka.

 

Was ist der Unterschied zu Whisky?

Eine berechtige Frage, denn die Herstellung von Wodka läuft anders ab. Entscheidend ist, dass bester Vodka nicht reifen muss. Bestimmt hast du gehört, wie die Produzenten von Whisky mit Eichenfässern oder dem Jahrgang werben.

Beides ist für guten Wodka irrelevant, da die Art der Filtration den Unterschied macht. Das perfekte Ergebnis ist möglichst geschmacksneutral – eine feine Note des Grundrohstoffs (Kartoffeln, Roggen, Weizen) ist dennoch spürbar. In den letzten Jahren hat sich dieser Trend ein wenig umgedreht: Aromatisierte Wodkas erobern die Partynächte, da der Alkohol von einem Geschmack überdeckt wird. Bei der Herstellung werden dem Destillat oder dem fertigen Vodka individuelle Fruchtnoten zugefügt. Das können frische Früchte wie Limette, Grapefruit und Zitrone oder Gewürze sein. Manchmal kommen auch Aromaöle zum Einsatz. So erhält der Wodka einen komplett neuen Geschmack.

 

Kann ich selber Wodka herstellen?

Da ich kein Jurist bin, kann und darf ich keine verbindliche Antwort geben. Daher habe ich das Internet nach seriösen Quellen durchstöbert. Der deutsche Zoll liefert in diesem Artikel hilfreiche Infos. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:

  • Die private Herstellung von Branntwein ist verboten!
  • Der Besitz eines Kleindestilliergeräts mit höchstens 0,5 Litern Raumgehalt ist erlaubt. Es dient zu Demonstrations- und Dekorationszwecken.
  • Eine Privatperson braucht eine Brenngenehmigung für Stoffbesitzer, um legal Branntwein herstellen zu dürfen.

Anders verhält es sich im alten Zarenreich: In Russland gehört die Herstellung von Wodka zum Alltag dazu, denn dort ist das Brennen für Privatpersonen legal. Zu diesem Thema habe ich dir eine spannende Kurzreportage herausgesucht.

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